Tři kusy pro přeladěný orchestr (1996)
Three Pieces for Retuned Orchestra
Drei Stücke für verstimmtes Orchester
- Instrumentation: 6(2picc,alt-fl,bass-fl),3(c.i.),4(2Es-cl,bass-cl,cb-cl),2sx(s-sx,b-sx),2(cfg) - 2,4,2Es-tr,4(2euph),1 - 5 perc, arp, prep pf - 1,1,2,4,2
- Movements: 3
- Duration: 20'
- Commissioned by: Musik-Biennale Berlin 1997
- Premiere: 15.03.1997, Musik-Biennale Berlin; Sinfonieorchester des MDR Leipzig, Johannes Kalitzke - cond.
- Publisher: none (available from composer)
Program Note:
(EN)
I am in the second-hand store of "New Music". With love I take in hands shabby novelties of our grandfathers. With a nostalgia I smell at an archaic aroma of tone-clusters, sounds over the range, under the range and behind the bridge, giant and fly intervals, piles of cymbals and gongs and other junk (1st Movement).
How funny are those effects of yesterday's Theatre of Dread! Like the rash movement of Laury-and-Hardy's movies (2nd Movement).
Where are those old days? Water floated them along, wind blew them far away (3rd Movement).
Martin Smolka
(DE)
Die Drei Stücke für verstimmtes Orchester sind ein Auftragswerk der Musik-Biennale Berlin.
Martin Smolka verlangt kein falsch gestimmtes oder ungestimmtes Orchester für sein etwa 15minütiges Stück, sondern er schreibt für etwa die Hälfte aller Instrumente eine andere Stimmung, nämlich eine um einen Sechstelton tiefere, vor. Die sich Schärfungen gehören zu den Charakteristika dieser Komposition. Zugleich wird mit dieser Kompositionstechnik ein großer, aber bis heute verkannter und nicht gewürdigter tschechischer Komponist beschworen - Alois Hába, ein Schüler von Franz Schreker. Er gründete bereita 1923 am Prager Staatskonservatorium eine Abteilung für Viertel- und Sechsteltonmusik, die er bis 1951 leitete, und er war der erste neuzeitlische Komponist, der polyphone und harmonische Musik im Viertel- und Sechsteltonsystem und im athematischen Stil schuf. Smolkas Orchesterstücke sind zwar kleine ausdrückliche Hommage an Hába, aber seine Formideen werden von ihm aufgegriffen und präsentiert. Smolka serviert uns keine Neue Musik in der Art einer absoluten Novität, die alles unmittelbar Vorangegangene überwinden und zurücklassen will. Er beschwört die Geschichtlichkeit der Neuen Musik, das, was an ihr alterte und doch noch uneingelöst geblieben ist. Im Zeitalter des computerisierten, technisierten und kommerzialisierten Musikbetriebs blickt er mit einer Art radikaler und störrischer Nostalgie auf die Frühzeiten der Moderne zurück, er wühlt in ihren Techniken und fördert das eine oder andere als Absonderlichkeit zutage. Das ist zweifellos eine zweischneidige Sache. Was er musikalisch als veraltet ausstellt, bezeichnet andererseits einen Punkt, an dem ein Großteil der Hörer noch gar nicht angekommen ist und vielleicht auch gar nicht ankommen will. Es ist so, als fände man in einem Antiquariat Bücher, die im normalen Buchhandel noch gar nicht erschienen sind.
Die drei Sätze gehen ineinander über. Anstelle von melodisch-thematischen Gebilden existieren nur Akkorde, Rhytmen und Lautstärken. Die Überleitung zum zweiten Stück bildet eine Klavierkadenz von neun Sekunden Dauer. Der Mittelsatz ist ein Schlagstück ohne Streicher und mit nicht fixierten "Schlagtönen" der Bläser in der höchsten oder tiefsten Lage. Im dritten Stück wird die Musik sehr leise, an die Stelle der kurzen Impulse treten lang gehaltene Akkorde, aus die Oberfläche treten. Smolka hat zu seiner Komposition folgende programmatische Erklärung geliefert:
Ich bin auf dem Trödelmarkt der Neuen Musik. Liebevoll nehme ich die schäbig gewordenen Neuigkeiten unserer Großväter in die Hand. Nostalgisch atme ich das archaische Aroma der Ton-Trauben, der extrem hohen und tiefen Töne und der Töne jenseits des Stegs, der gigantischen und flüchtigen Intervalle, der Stapel der MessingßBekken und anderen Trödels (1. Satz).
Wie komisch sind diese Effekte des Theaters des Schreckens von gestern. Wie die überstürzten Bewegungen der Laurel-und-Hardy-Filme (2. Satz).
Wo sind diese alten Tage geblieben? Wasser hat sie hinweggeschwemmt, Wind hat sie fortgeblasen (3. Satz).